Hannibal ante portas!
Karthago vs. Rom
Modell eines Digital Enhancements für ein Schul-E-Book zum Thema Geschichte für die gymnasiale 9. Klasse in Nordrhein-Westfalen
Einführung
Der Ausdruck Hannibal ante portas! ("Hannibal vor den Toren!") warnt vor der unmittelbar bevorstehenden Vernichtung Roms durch den legendären karthagischen Feldherrn Hannibal. Die Römer befanden sich Jahrhunderte lang im Krieg. Zu den längsten Kriegen der Römer gehörten die Auseinandersetzungen mit der mächtigen See- und Handelsmacht Karthago in Nordafrika.
In dieser Storymap untersuchen wir
• woher die Karthager ursprünglich stammten
• welchen Weg Hannibal über die Alpen nahm
• welche Auswirkungen sein Feldzug in Italien hatte
• was es mit dem Ausspruch "Hannibal ante portas" wirklich auf sich hat
• welche Ruinen in Rom und Karthago als Zeugen der Vergangenheit noch heute existieren.
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Die Phönizier
In den drei sogenannten Punischen Kriegen (264 - 146 v. Chr.) zwischen der alten See- und Handelsmacht Karthago und dem jungen Römischen Reich ging letzteres siegreich aus diesem Konflikt hervor und schuf damit die Voraussetzungen für den Aufstieg zu einer den gesamten Mittelmeerraum beherrschenden Weltmacht.
Der Ausdruck "Punier" wurde von den Römern verwendet, um die Phönizier Nordafrikas zu bezeichnen.
Phönizien
Ursprünglich auf dem Gebiet der heutigen Staaten Israel, Libanon und Syrien gelegen, soll es dort bereits um 2750 v. Chr. erste Siedlungen gegeben haben, wie es der bekannte griechische Geschichtsschreiber Herodot behauptete.
Phönizien bedeutet auf griechisch "Purpurland".
Finde heraus, was Purpur ist, und wofür es verwendet wurde.
Die phönizischen Stadtstaaten waren um das Jahr 1000 v. Chr. auf den Handel und die Seefahrt spezialisiert und stark in den florierenden Mittelmeerhandel eingebunden. Wichtige Exportgüter waren unter anderem Holz , Purpur und gefärbte Textilien, Elfenbein und Elfenbeinobjekte sowie Nahrungsmittel wie z. B. Wein und Olivenöl .
Purpurschnecke mit daraus gefärbtem Stoff
Die Erfindung der Buchstabenschrift
Zur Vereinfachung ihres weitreichenden Handels hatten die Phönizier auch etwa um das Jahr 1000 die Buchstabenschrift und das Alphabet erfunden.
Ägyptische Hieroglyphen
Zuvor hatten die Menschen nur Zeichenschriften verwendet, wie z.B. die altägyptischen Hieroglyphen , die aus etwa 7000 schwer zu lernenden Einzelzeichen bestanden.
Phönizisches Alphabet
Das phönizische Alphabet hingegen besteht nur aus 22 Buchstaben, welche genau denjenigen Lauten entsprechen, die ein Mensch hervorbringen kann.
Die Phönizier gründeten zahlreiche Kolonien im Mittelmeerraum, von denen die bekannteste die Stadt Karthago ist, welche vermutlich im Jahre 814 v. Chr. entstand.
Ins Deutsche übersetzt bedeutet Karthago "neue Stadt".
Karthago
Nachdem das phönizische Stammland mit den Stadtstaaten an der östlichen Mittelmeerküste durch babylonische und persische Eroberer um 540 v. Chr. seine Unabhängigkeit verlor, löste sich Karthago von seiner Mutterstadt Tyros und entwickelte sich in der Folgezeit zu einer bedeutenden See- und Handelsmacht und gründete seinerseits eine Vielzahl von Kolonien auf Sizilien, Sardinien, Korsika, den Balearen, an der nordafrikanischen Küste und an der südlichen Mittelmeerküste Spaniens.
Gib auf Deinem Smartphone bei Google Maps "Karthago" ein und schau, wo Du landest.
PS: Karthago ist heute Vorort einer bekannten Haupt- und Millionenstadt in Afrika.
Die Handelsmetropole
Im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. war Karthago zur reichsten Stadt des Mittelmeerraums geworden.
In dieser Stadt wohnten damals mehr als 400.000 Menschen, d.h. mehr als beispielsweise in Bochum oder Wuppertal.
Modell von Karthago, Wikimedia: © Alexander Hoernigk
Ruinen von Karthago
Trotz der vollständigen Zerstörung des phönizischen Karthagos durch die Römer sind der Ringhafen und einige Ruinen auf dem Hügel von Byrsa noch erhalten.
Der ringförmige Kriegshafen, © ZDF, Terra X
aktuelles Luftbild des Ringhafens, © Google Maps
Die Römer bauten Karthago 100 Jahre nach ihrer Eroberung zu einer prachtvollen Provinzstadt aus. Hiervon zeugen teils eindrucksvolle Ruinen, wie z. B. die der Antoninus-Pius-Badeanlagen oder die des Amphitheaters.
Antoninus-Pius-Thermen, © picture-alliance, Reinhard Kung
Amphitheater, Wikimedia: © Profburp
Die neue Neustadt
Die wichtigste karthagische Neugründung auf der Iberischen Halbinsel ist die Stadt Cartagena im heutigen Spanien. Beim Lesen des Stadtnamens fällt sofort die Ähnlichkeit zu Karthago auf. Die Karthager nannten die Neugründung einfach "Neu-Karthago" (Karthago Nova).
Erinnerst Du Dich noch daran, was Karthago übersetzt bedeutet?
Von dieser Stadt aus, die als Flotten- und Militärstützpunkt praktisch die karthargische Hauptstadt auf der Iberischen Halbinsel war, brach Hannibal Barkas (das bedeutet Blitz) mit seiner Armee im Jahre 218 v. Chr. zu seinem Marsch nach Italien auf, um Rom zu erobern. Zu Anfang führte Hannibal etwa 50.000 Soldaten, 9000 Reiter und 37 Kriegselefanten mit sich.
Feldzug bis zum Rhône
Google Maps von Cartagena nach Rom
Gib auf Deinem Smartphone in Google Maps eine Routensuche als Fußweg von Cartagena in Spanien nach Rom ein mit einem Zwischenstopp auf dem Gebirgspass von Clapier (Eingabe hier: Col de Clapier).
Wie viele Kilometer beträgt diese Strecke und wie lange ist man unterwegs?Beachte, dass Hannibal mit seinem Heer auch rasten musste und der Weg über die Alpen sehr beschwerlich ist. Der Gebirgspass von Clapier liegt fast 2500 Meter über dem Meeresspiegel!
Die Überquerung der Alpen
Nach der siegreichen Schlacht am Rhône im September 218 v. Chr. zog Hannibal mit seinem Heer und den Kriegselefanten dann möglicherweise durch das Tal der Isére weiter in die Alpen. Nach den Überlieferungen war die Passhöhe binnen neun Tagen vom Rhône erreichbar und dort war ausreichend Platz für ein großes Heerlager, die Ebene des Flusses Po war zu erkennen und in drei Tagen erreichbar. Der erste Teil des Abstiegs war sehr steil und beim Abstieg stieß man auf Schnee.
Anhand dieser Hinweise haben Historiker und Archäologen versucht, den genauen Weg Hannibals über die Alpen zu bestimmen.
Col de Clapier, Wikimedia: © Edward Boenig
Der wahrscheinlichste Weg war der über den Pass von Clapier in 2488 Metern Höhe, da alle oben genannten Überlieferungen hier zutrafen.
Col de la Traversette, Wikimedia: © Luca Bergamasco
Auf dem Pass von Traversette allerdings hat 2017 ein Forschungsteam Grabungen durchgeführt, die nach über 2000 Jahren noch Kotreste von Elefanten nachweisen konnten. Doch dieser Pass liegt noch fast 500 Meter höher und ist, wie man auf dem Foto sehen kann, für Elefanten schwer zu bewältigen.
Experimentelle Archäologie
Richard Halliburton
Im Juli 1935 überquerte der Abenteurer Richard Halliburton auf einem Elefanten namens Dally den Großen Sankt Bernhard -Pass, der 2469 Meter über dem Meeresspiegel liegt, um zu beweisen, dass es grundsätzlich möglich ist, mit Elefanten eine solche Strecke zu gehen.
Richard Halliburton auf Elefant Dally am Großen St. Bernhard-Pass, Fotograf unbekannt
Postkarte um 1900 mit Darstellung der Alpenüberquerung
Im Hochgebirge
Auch heute noch stellt die Überquerung der Alpen zu Fuß eine große Herausforderung dar, da das Wetter nicht nur im Herbst, als Hannibal dort war, schnell umschlagen kann. Hannibal benötigte dafür insgesamt 16 Tage.
Der Pass von Mont Cenis im Spätherbst, Wikimedia: © Leonidas
In Norditalien
Nach der erfolgreichen Alpenüberquerung starben jedoch in den kommenden Wintermonaten fast alle Kriegselefanten an der für sie ungewohnten Kälte. Trotzdem blieb Hannibal mit seinem Heer auf seinem Marsch in den Süden in drei weiteren Schlachten siegreich.
Hannibal auf dem letzten Elefanten auf dem Weg nach Süditalien, Fresko um 1500
In Süditalien
Hannibals Kriegsziel war jetzt die Reduzierung Roms auf eine Mittelmacht. Dazu galt es aber zunächst, das starke Bundesgenossensystem Roms zu zerstören. Er wandte sich deshalb der Stadt Cannae zu, wo die Römer ein wichtiges Heereslager unterhielten.
Die Schlacht von Cannae auf einer Münze von etwa 1500, Wikimedia: © Sailko
Die Schlacht von Cannae
Aufgrund der geschickten Taktik Hannibals und der Größe des Sieges gilt die Schlacht von Cannae als eine der bedeutendsten im Zweiten Punischen Krieg und ging in die Weltgeschichte ein. Nach dem Triumph von Cannae wandte Hannibal sich dann auch nicht direkt gegen Rom, sondern verwüstete in vielen Schlachten die Landschaften Süditaliens. Dabei vergeudete er die Kraft seiner Truppen an verschiedenen Kriegsschauplätzen und während langwieriger Belagerungen von Städten.
Der Scheinangriff
Zwischen verschiedenen Kriegsschauplätzen hin- und hergerissen, unternahm Hannibal 211 v. Chr. schließlich einen Scheinangriff auf Rom , um die von ihm erst vor kurzem eroberte Stadt Capua zu retten, die nun ihrerseits von römischen Truppen belagert wurde.
Büste Hannibals
Hannibal ante portas!
Die berühmte lateinische Redewendung Hannibal ante portas
„Hannibal vor den Toren!“
geht auf eine Rede des römischen Politikers und Schriftstellers Cicero im Jahre 44 v. Chr. zurück (also über 170 Jahre nach Hannibals Feldzug) in der er vor dem Herrschaftsanspruch des Marcus Antonius (welcher damals mit Kleopatra verheiratet war) warnt.
Cicero spricht hier von einer eingebildeten, behaupteten oder nur vorgestellten Gefahr.
Denn der gefürchtete karthagische Feldherr Hannibal stand zwar niemals tatsächlich vor den Toren Roms, dennoch musste man dort mit dessen vernichtendem Angriff aber sehr wohl rechnen.
Heute wird der Ausspruch genutzt, um vor einer unmittelbar bevorstehenden Gefahr, zum Beispiel vor einer Person oder Sache, von der eine Bedrohung auszugehen scheint, zu warnen.
Vor den Toren Roms
Von den antiken Stadtmauern und Toren Roms sind einige noch sehr gut erhalten. Auf lateinisch heißen diese Mura und Porta.
Fällt Dir ein deutsches Wort ein, welches von "Porta" abgeleitet ist?
Die Servianische Mauer
Reste der Servianischen Mauer am Hauptbahnhof, © Google Street View
Reste der Servianischen Mauer hinter einem Parkplatz, © Google Street View
Reste der Servianischen Mauer in einem Wohngebiet, © Google Street View
Die gestrichelte weiße Linie zeigt den Verlauf der ältesten Stadtmauer an, vor der Hannibal gestanden hätte, wenn er Rom tatsächlich hätte angreifen wollen. Von dieser sogenannten Servianischen Mauer , die schon im 4. Jahrhundert v. Chr. errichtet wurde, sind noch einige Reste und zwei Tore erhalten.
Die Porta Esquilina
Porta Esquilina, Wikimedia: © Panairjdde
Das Esquilinische Tor liegt an der südöstlichen Stadtmauer, so dass Hannibal, der aus eben dieser Richtung kam, hier hätte durchbrechen müssen, um Rom zu erobern.
Römerstraßen
Die Via Appia Antica, Wikimedia: © Kleuske
Auch einige der Römerstraßen, über die Hannibal mit seinen Truppen hätte marschieren müssen, existieren noch, wie z. B. die berühmte Via Appia.
Schau Dir den Straßenbelag genau an. Kennst Du so etwas noch aus Deiner Heimatstadt?
Die Aurelianische Mauer
Der Verlauf der Aurelianischen Mauer, Wikimedia: © Cassius Ahenobarbus
Die Porta San Sebastiano mit Stadtmauer, © Google Maps 3d
Die Porta San Sebastiano, © Google Street View
Die mächtige Mauer mit vielen der wuchtigen Stadttore ist noch zu großen Teilen erhalten und prägt das Stadtbild Roms bis in die heutige Zeit.
Die Porta Pinciana, © Google Maps 3d
Für die Bewohner Roms ist das Leben mit über 1800 Jahre alten Mauern und Toren Alltag. Man kann sogar mit der Straßenbahn hindurch fahren.
Die Porta Maggiore mit Straßenbahn, Wikimedia: © Reinhard Dietrich
Es gibt auch in Deutschland noch ein berühmtes römisches Stadttor, welches übersetzt "Schwarzes Tor" heißt. Gib bei Google den Suchbegriff "Römertor Deutschland" ein.
In welcher Stadt befindet es sich?
Das "Schwarze Tor", Wikimedia: © Berthold Werner
Im Zentrum Roms
Das Kolosseum, © Google Maps 3d
Nordseite des Kolosseums, Wikimedia: © Rabax63
Auch im Zentrum Roms gibt es noch zahlreiche Ruinen aus der Römerzeit wie z. B. das weltberühmte Kolosseum oder das Forum Romanum .
Finde heraus, für welchen Zweck das Kolosseum gebaut wurde.
Das Forum Romanum an der Via Sacra, © Google Maps 3d
Die Schlacht von Zama
Hannibal blieb in Italien zwar unbesiegt, seine Truppen aber waren nach 15 Jahren Krieg so erschöpft, dass an weitere Eroberungen nicht mehr zu denken war.
Im Frühling 204 v. Chr. gingen die Römer zum Gegenangriff über. Der römische Feldherr Scipio landete mit etwa 25.000 Mann ungestört am Kap Farina etwa 30 Kilometer nördlich von Karthago und rückte gegen die Stadt Utica vor. Die Belagerung blieb jedoch erfolglos, so dass er sich ins Winterlager zurückzog.
Die Karthager nutzten die Winterzeit, um Ihre Truppen stark zu erweitern. Durch seine Kundschafter hatte Scipio in der Zwischenzeit erfahren, dass seine Feinde in einfachen Holzhütten überwintern mussten. Er ließ deren Lager in der Nacht in Brand stecken und erzwang dadurch eine große Feldschlacht, in der fast die gesamte Armee der Karthager vernichtet wurde.
Nach der Schlacht besetzte Scipio das Umland der Hauptstadt Karthago, so dass der karthagische Senat zu einem sehr unvorteilhaften Frieden mit den Römern gezwungen wurde, welcher unter anderem den Rückzug Hannibals aus Italien beinhaltete.
Nach dessen Rückkehr begehrten die Karthager alsbald gegen die demütigenden Friedensbedingungen auf, was zur kriegsentscheidenden Schlacht von Zama im Jahre 202 v. Chr. führte.
Schlacht von Zama: Cornelis Cort von 1567
Scipio gelang es mit Geschick, dem bis dahin unbesiegten Hannibal seine erste Niederlage zuzufügen und diktierte den Karthagern daraufhin noch strengere Friedensbedingungen. Der Vorherrschaft Roms im Mittelmeerraum stand nun nichts mehr im Wege.
Schlacht von Zama © Peter Dennis
Im dritten und letzten Punischen Krieg 56 Jahre später wurde Karthago von den Römern vollständig dem Erdboden gleich gemacht und alle Bewohner versklavt.
Julius Cäsar
Weitere 100 Jahre später beschloss Julius Cäsar die Wiederrichtung Karthagos als römische Kolonie, welche in der Kaiserzeit dann rasch wieder zu einer der bedeutendsten Städte am Mittelmeer wurde.
Ende der Storymap
Impressum
Eine Storymap von
Stephan Hormes & Silke Peust
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