Deutsche Grenzen 2
Vom Moskauer Hotel Oktober zum Spiegelsaal von Versailles
Proklamationen und Verträge
Zwischen der Proklamation des Deutschen Kaiserreiches im Spiegelsaal von Versailles am 18. Januar 1871 und der Unterzeichnung des Vertrages über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland am 12. September 1990 im Moskauer Hotel "Oktober" liegen keine 120 Jahre, in welchen sich die Grenzen des Deutschen Staatsgebietes mehrfach gravierend verändert haben.
In den folgenden Kapiteln werden die territorialen Umgestaltungen innerhalb dieser Zeitspanne bei rückschreitender Vergangenheit durch exakte Bestimmungen der Grenzverläufe mit einer Genauigkeit von etwa 10 Metern dokumentiert.
1990: Wiedervereinigung
Seit der Ratifizierung des Regelungsvertrages sowie des Deutsch-Polnischen Grenzvertrages fanden Grenzveränderungen nur noch auf föderaler, regionaler und kommunaler Ebene statt.
Amt Neuhaus
Amt Neuhaus
Das (alte) Amt Neuhaus gehörte von 1689 bis 1945 zuerst zum Herzogtum Sachsen-Lauenburg und ging dann im späteren Königreich Hannover auf. Noch bis Juli 1945 war es ein Teil des Landkreises Lüneburg und damit zur Britischen Besatzungszone gehörig. Die Lage des Gebietes östlich der Elbe ohne Brücken jedoch, umgeben von der Sowjetischen Besatzungszone, ließ Versorgungsschwierigkeiten seitens der Briten befürchten. Im Zusammenhang mit einem Gebietstausch im Harz erfolgte eine Übergabe an die Sowjetische Besatzungszone, woraus eine Zugehörigkeit zur späteren DDR erfolgte.
Am 30. Juni 1993 kam es zwischen den Bundesländern Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern am 30. Juni 1993 zum Wechsel des 273 km 2 großen Gebietes, womit die Übergabe wieder Rückgängig gemacht wurde.
1990-1949: BRD und West-Berlin
1990-1949: DDR
Zuschnitt der DDR-Bezirke
Bei der Grenzziehung waren wirtschaftliche Kriterien die Hauptleitlinien und man versuchte, bestimmte volkswirtschaftlich wichtige Industriezweige innerhalb der einzelnen Bezirke zu konzentrieren. Mit dem Bezirk Rostock entstand ein Küstenbezirk, der den gesamten Ostseeraum der DDR abdeckte. Cottbus wurde zum Kohlebezirk, Frankfurt zum Stahlbezirk und Halle zum Chemiebezirk. Ein Textilbezirk und ein Kalibezirk waren geplant, konnten aber nicht verwirklicht werden.
Neben den wirtschaftlichen Aspekten kamen jedoch gleichzeitig sicherheitspolitische Überlegungen zum Zug. Der Bezirk Potsdam verdankte seinen Umfang einzig der Tatsache, dass ein einziger Bezirk mit den Fragen der Grenzsicherung nach West-Berlin befasst sein sollte.
Mit dem Zuschnitt der neuen Kreise und Bezirke und bei der Festlegung der Bezirksstädte wurde daneben teilweise gezielt der Bruch mit der Vergangenheit gesucht. So wurden etwa Neubrandenburg statt Neustrelitz und Suhl anstelle von Meiningen Sitz der Bezirksverwaltung. Weimar kam zum Bezirk Erfurt, statt mit den Kreisen des Bezirks Gera einen Bezirk Weimar zu bilden. (Quelle: Wikipedia)
1949-1945: Besatzungszeit
Berliner Sektoren
Maczków - Haren 1945-1948
Polnische Besatzungszone
Die polnische Besatzungszone war von 1945 bis 1948 ein Sondergebiet innerhalb der Britischen Besatzungszone im Nachkriegsdeutschland und befand sich im mittleren nördlichen Gebiet des heutigen Landkreises Emsland sowie in der Gegend von Oldenburg und Leer. Sie grenzte an die Niederlande und umfasste ein Gebiet von 6470 km². Die Zone mit einem Lager für Displaced Persons wurde von der polnischen Exilregierung verwaltet. Verwaltungszentrum dieser polnischen Zone war die Stadt Haren. Sie war während dieser Zeit als Maczków nach Stanisław Maczek benannt.
Die neue polnischstämmige Bevölkerung setzte sich zusammen aus etwa 30.000 Displaced Persons, vor allem ehemaligen Häftlingen der Emslandlager und 18.000 polnischen Soldaten. Die wichtigsten Straßen der Stadt erhielten polnische Namen dieser Orte. Da sich ein großer Teil der in deutschen Lagern internierten polnischen Intelligenz hierauf in Maczków niederließ, entwickelte sich der Ort sehr dynamisch zum Zentrum des polnischen Verwaltungsgebietes. Die antikommunistische polnische Exilregierung soll sogar darüber nachgedacht haben, die Enklave auf bis zu 200.000 Polen aufzubauen, um so indirekt Druck für freie Wahlen in Polen ausüben zu können. Die durch die polnische Exilregierung verwaltete polnische Besatzungszone im Emsland war für die Sowjetunion nicht tolerierbar. Deshalb verlangte die Sowjetunion von den britischen Behörden, die polnische Zone aufzulösen. Am 10. September 1948 verließen die letzten polnischen Soldaten das Gebiet, hauptsächlich nach Polen oder in die Commonwealth-Staaten. Die Stadt Maczków wurde der deutschen Verwaltung unterstellt und erhielt am 10. September 1948 ihren ursprünglichen Namen Haren (Ems) zurück. (Quelle: Wikipedia)
1945: Potsdamer Abkommen
Attlee, Truman und Stalin; dahinter Bevin, Byrnes und Molotow, © Army Signal Corps Collection in the U.S. National Archives
Als Potsdamer Abkommen werden die auf der Potsdamer Konferenz auf Schloss Cecilienhof in Potsdam nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa getroffenen Vereinbarungen und Beschlüsse bezeichnet, die in einem Kommuniqué vom 2. August 1945 veröffentlicht wurden. Auf der Konferenz wurden hierzu unter anderem die von Deutschland zu entrichtenden Reparationen, die politische und geografische Neuordnung Deutschlands, seine Entmilitarisierung und der Umgang mit deutschen Kriegsverbrechern verhandelt und am 1. August 1945 festgeschrieben. (Quelle: Wikipedia)
Zeitgenössische Karte der Besatzungszonen
Territoriale Entscheidungen
Die westlichen alliierten Siegermächte wurden von Stalin mit vollendeten Tatsachen hinsichtlich anstehender Gebietsveränderungen in Mittelosteuropa konfrontiert. Bereits mehrere Monate vor der Potsdamer Konferenz hatte dieser das nördliche Ostpreußen durch eine Verfassungsnovelle in das Staatsgebiet der Sowjetunion integriert. Von daher wurde in Potsdam nur der sowjetische Antrag verhandelt, die Stadt Königsberg mit umliegendem Gebiet endgültig zu übergeben.
Ebenso verhielt es sich mit der vorläufigen Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze. Die polnischen Kommunisten hatten im Vorfeld der Konferenz präventive Vertreibungen der deutschen Bevölkerung in den betreffenden Gebieten vorgenommen, so dass die Westalliierten auch diese Tatsache akzeptieren mussten.
1945-1938: NS-Zeit II
Expansionen und Zweiter Weltkrieg
Alle territorialen Änderungen hinsichtlich des Anschlusses Österreichs im März 1938 , der Sudetenkrise 1938 , sowie der Zerschlagung der Tschechoslowakei im März 1939 werden aufgrund der Komplexität in späteren, noch zu erstellenden Kapiteln abgehandelt.
Desgleichen gilt für die gigantischen territorialen Umwälzungen während des Zweiten Weltkriegs.
1937-1933: NS-Zeit I
"Die Saar kehrt heim!"
Eichenlaubbekränzte Mutter Germania und Tochter umarmen sich vor aufgehender Sonne, Allegorien für das Deutsche Reich und das Saargebiet: Die Saar kehrt heim! (Sonderbriefmarke aus dem Jahr 1935)
Gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrages wurde das Saargebiet nach erfolgter Volksabstimmung am 13. Januar 1935 vier Wochen später in das deutsche Zollgebiet aufgenommen.
In dieser Zeitspanne handelte es sich um die einzige Gebietsveränderung im Deutschen Reich.
1933 - 1919: Weimarer Republik
Polnischer Korridor
Aus territorialer Sicht ergaben sich in dieser Zeit keine Veränderungen.
Der polnische Korridor war ein Gebiet ohne klare ethnische Trennlinien, in dem eine sprachlich-kulturell gemischte Bevölkerung lebte. Sein Verlust wurde in Deutschland generell als ungerecht und als Verstoß gegen das Selbstbestimmungsrecht empfunden, weil der Bildung des Korridors keine Volksabstimmung vorangegangen war.
Die Revision der Grenzziehung, die Ostpreußen vom übrigen Deutschland abtrennte, war ein vorrangiges Ziel jeder Regierung der Weimarer Republik.
Innenpolitisch war der Korridor regelmäßig Gegenstand nationalistischer Propaganda.
Der Streit um den Korridor bildete die Kulisse für den vorgetäuschten Überfall auf den Sender Gleiwitz am 31. August 1939. (Quelle: Wikipedia)
Insellage Ostpreußens mit Verkehrswegen zu Schiene, Wasser und Luft
Durchquerung des Korridors
Der Versailler Vertrag sicherte in Artikel 89 dem Deutschen Reich die ungehinderte Durchfahrt zwischen Ostpreußen und übrigem Deutschland zu.
Zugverkehr
Diese gestaltete sich vielfach als Belastung, da der Polnischen Staatsbahn Vergütungen gezahlt werden mussten, die Waggons teilweise verplombt wurden, und es zeitweise verboten war, die Abteilfenster zu öffnen. Als die Reichsbahn 1936 aufgrund von Devisenknappheit mit den Zahlungen in Verzug kam, stellte die Polnische Staatsbahn den Betrieb der Korridorzüge für sechs Monate ein.
Schiffsverkehr
Zeitgenössisches Plakat zum Seedienst Ostpreußen
Als Alternative zum Korridorverkehr finanzierte das Deutsche Reich ab 1922 den zwischen Swinemünde und Pillau bzw. Zoppot als regelmäßige Schiffsverbindung eingerichteten Seedienst Ostpreußen.
Flugverkehr
Eine Junkers G 24 auf dem Berliner Centralflughafen 1930, © Bundesarchiv Bild 102-10055
Es bestand ab 1925/1926 eine Flugverbindung der Deruluft (ab 1937 der Deutschen Lufthansa) zwischen Berlin und Königsberg mit Zwischenlandung in Danzig. Die Flüge fanden anfangs dreimal pro Woche statt.
Mit der dreimotorigen Junkers G 24 eröffnete die Lufthansa am 1. Mai 1926 auf der Strecke Berlin–Königsberg den weltweit ersten Linienflugverkehr mit Passagieren bei Nacht. (Quelle: Wikipedia)
1919: Friedensvertrag von Versailles
Die Unterzeichnung des Friedensvertrags im Spiegelsaal, Versailles, 28. Juni 1919), Gruppenporträt von William Orpen (Ausschnitt)
Territoriale Bestimmungen
Deutschland musste zahlreiche Gebiete abtreten: Nordschleswig an Dänemark, den Großteil der Provinzen Westpreußen und Posen sowie das oberschlesische Kohlerevier und kleinere Grenzgebiete Schlesiens und Ostpreußens an den neuen polnischen Staat, die Zweite Republik. Außerdem fiel das Hultschiner Ländchen an die neu gebildete Tschechoslowakei. Im Westen ging das Gebiet des Reichslandes Elsaß-Lothringen an Frankreich, und Belgien erhielt das Gebiet Eupen-Malmedy mit einer ebenfalls überwiegend deutschsprachigen Bevölkerung. Insgesamt verlor das Reich 13 % seines vorherigen Gebietes und 10 % der Bevölkerung. Darüber hinaus wurde der gesamte reichsdeutsche Kolonialbesitz dem Völkerbund unterstellt, der ihn als Mandatsgebiete an interessierte Siegermächte übergab.
Das Saargebiet, dessen Kohleproduktion (siehe Bergbau im Saarland) Frankreich zufiel, wurde dem Völkerbund unterstellt. Nach 15 Jahren sollte eine Abstimmung über die staatliche Zugehörigkeit stattfinden, die am 13. Januar 1935 eine große Mehrheit für Deutschland ergab. Danzig mit Umgebung kam als Freie Stadt Danzig unter Kontrolle des Völkerbundes, wurde in das polnische Zollgebiet eingeschlossen und von Polen außenpolitisch vertreten. Das Memelland wurde unter Kontrolle des Völkerbunds einem eigenen Staatsrat mit französischem Präfekten unterstellt und am 10. Januar 1923 von Litauen besetzt. 1924 wurde es in der Memelkonvention des Völkerbundes als autonomes Gebiet unter litauische Staatshoheit gestellt. (Quelle: Wikipedia)
1919-1871: Deutsches Kaiserreich
Deutsche Kolonien
Deutsche Kolonien 1884 - 1919
Helgoland
Helgoland 1890
Bismarck'sche Bündnispolitik
Karikaturistische Darstellung der Bündnispolitik Bismarcks: Alle Großmächte sind mit Deutschland verbunden, nur Frankreich (verkörpert durch Marianne) bleibt außen vor. (Autor unbekannt)
Mit dem Deutschen Reich war eine neue europäische Großmacht durch kriegerische Expansion des Königreichs Preußen entstanden. Bismarck erkannte, dass Europa die Furcht vor weiterer deutscher Expansion genommen werden musste, und er erklärte das Reich für saturiert, d. h. Deutschland sah von weiteren Gebietsansprüchen ab. Bestätigt wurde dies durch einen Adressentwurf, der dem Reichstag im März 1871 zur Verabschiedung vorgelegt wurde.
Demnach war das „neue Reich [...] dem selbsteigenen Geiste des Volkes entsprungen, welches, nur zur Abwehr gerüstet, unwandelbar den Werken des Friedens ergeben ist. [...] Die Tage der Einmischung in das innere Leben andrer Völker werden, so hoffen wir, unter keinem Vorwand und in keiner Form wiederkehren“. Mit Hilfe von Bündnissen sollte der Kriegsfall möglichst ausgeschlossen werden. Bildhaft wird Bismarcks Außenpolitik oft als Spiel mit den fünf Kugeln bezeichnet, wobei die Kugeln die europäischen Großmächte symbolisieren sollen, mit denen Bismarck Deutschland jeweils verbinden wollte, ohne sich zu fest an eine von ihnen zu binden. (Quelle: Wikipedia)
Der Lotse geht von Bord. (Originaltitel: Dropping the Pilot), Karikatur von Sir John Tenniel, abgedruckt im englischen Magazin Punch. Oben Kaiser Wilhelm II., Reichskanzler Otto von Bismarck muss das Schiff verlassen.
Die Reaktionen auf Bismarcks Sturz fielen in Deutschland eher erleichtert aus. Der Kanzler hatte sich am Ende weitgehend isoliert. Im europäischen Ausland fiel das Urteil anders aus. Bismarck war es durch seine Bündnispolitik in den Jahren zuvor gelungen, eine europäische Führungsrolle zu übernehmen und den Frieden in Europa zu sichern. Diese Friedenspolitik sollte vor allem den Interessen Deutschlands dienen und verschaffte ihm zugleich im Ausland Respekt. Sein Abgang rief deshalb vor allem Besorgnis hervor. So schrieb die britische Times: „Wir in diesem Lande hören die Nachricht vom Rücktritt des großen Mannes mit Bedauern und Besorgnis. Die Entfernung des Fürsten Bismarck vom Steuerruder […] ist von derart weitreichender Bedeutung, dass niemand, der dessen außerordentliche Verdienste um den europäischen Frieden kennt, dieses Ereignis ohne ein Gefühl der Furcht im Hinblick auf die Zukunft registriert.“
Diese Besorgnis richtete sich vor allem auf den Kaiser und seinen neuen Kanzler Leo von Caprivi. So schreibt die Times weiter: „Der Kaiser und der neue Kanzler haben ein leeres Papier vor sich, um darauf Geschichte zu schreiben. Die Welt fragt sich ängstlich, welche Art von Geschichte dies sein wird.“ (Quelle: Wikipedia)
Karikatur aus der britischen Zeitschrift "The Punch" von John Tenniel. Sie zeigt den deutschen Kaiser Wilhelm II., den spanischen König Alfons XIII., die französische Symbolfigur Marianne, den österreichischen Kaiser Franz Joseph I. und den italienischen König Umberto I. Übersetzung der Bildunterschrift: Das schreckliche Kind! Chor im Heck: "Mach nicht so weiter — oder du wirst uns alle zum Kentern bringen!!"
Maximale Ausdehnung
Im Rahmen der Beilegung der zweiten Marokkokrise , auch bekannt als Panthersprung nach Agadir, vergrößerte sich das Deutsche Kolonialgebiet am 4. November 1911 ein letztes Mal mit einem Teil der französischen Kolonie Französisch-Äquatorialafrika (Neukamerun).
Das Deutsche Reich hatte zu diesem Zeitpunkt die maximale Ausdehnung in Friedenszeiten erreicht, welche auch international anerkannt war.
Gefährlicher Konflikt
Allerdings war die Zweite Marokkokrise war der bis dahin gefährlichste Konflikt zwischen den europäischen Mächten. Vielen Menschen war die Gefahr eines großen Krieges bewusst und entsprechend regte sich vielfältiger Protest. In den meisten europäischen Ländern gingen massenhaft Menschen auf die Straßen oder versammelten sich in großen Sälen, um gegen die Kriegsgefahr zu protestieren - allein in Berlin kamen im Treptower Park am 3. September 1911 etwa 200.000 Menschen zusammen. (Quelle: Wikipedia)
Provinzgrenzen
auf heutigem deutschen, sowie polnischen und russischen Territorium (in Arbeit)
Die oberen Verwaltungsebenen des Deutschen Reiches um 1900
Die dänisch-französische Grenze
Département des Bouches de l'Elbe / Karte der Départements der Elbmündungen
Trotz der Neutralität in den Koalitionskriegen und der Entfestigung der Stadt ließ Napoleon zur Durchsetzung der Kontinentalsperre am 19. November 1806 die Freie und Hansestadt Hamburg besetzen, da diese der nach Frankreich wichtigste Handelspartner Großbritanniens war.
1811 verleibte sich das Französische Kaiserreich Hamburg als Ganzes ein und machte es als Arrondissement Hambourg mit neun Kantonen zur Hauptstadt des Département des Bouches de l'Elbe mit der Nummer 128 der französischen Departementliste.
Dadurch gab es erstmals in der Geschichte eine direkte Grenze zwischen dem Königreich Dänemark und dem Kaiserreich Frankreich, welche mitten durch das heutige Hamburg führte.
Karte der hanseatischen Départements, Wikimedia: © Ziegelbrenner
Schmuggel zwischen Altona und Hamburg
Die Handelsblockade führte sowohl zum Zusammenbruch der Hamburger Wirtschaft, als auch zu einem regen Schmuggel zwischen dem dänischen Altona und dem französischen Hamburg, der sich alsbald zu einem regelrechten Gewerbe entwickelte. Aufgrund der zu erwartenden drastischen Strafen für Erwachsene bildete man sogar Kinder und Hunde zum Schmuggeln aus.
Zeitgenössische Karikatur, welche den Schmuggel zwischen dem dänischen Altona und dem französisch besetzten Hamburg bezeugt.
Einziger erhaltener Zeuge der damaligen Grenze ist der Grenzpfeiler am Nobistor an der Reeperbahn.
Grenzpfeiler am Nobistor, Fotograf unbekannt
Grenzpfeiler des Nobistores an der Reeperbahn, Wikimedia: © Pauli-Pirat
Stadtentwicklungsphasen, historische Wege und Orte
am Beispiel Hamburgs
Hamburger Cholera-Epidemie 1892
Im südlichen Abschnitt befindet sich auf der rechten Seite hinter den Hausnummern 14 und 24 der sogenannte Hamburger Hof. Die beiden langgestreckten, drei- und viergeschossigen Putzriegel, erbaut zwischen 1869 und 1882, umschließen an der Nord- und Ostseite einen dreieckigen Platz, dessen unbebaute Seite durch eine Mauer auf der historischen Grenzlinie zwischen Hamburg und Altona geschlossen wird.
Sein Name ist darauf zurückzuführen, dass ein auf Hamburger Territorium gelegener Wohnhof allein über Altonaer Gebiet, jenseits der Stadtgrenzen, erschlossen war.
Maßgebliche Auswirkungen hatte dies während der Choleraepidemie von 1892: während in dem, an das Altonaer Wassernetz angeschlossenen, Hamburger Hof mit damals 345 Bewohnern kein einziger Krankheitsfall auftrat, waren in den direkt angrenzenden, mit Hamburger Wasser versorgten Häusern hohe Opferzahlen zu beklagen. (Quelle: Wikipedia)
Historische Identität
Karte des Herzogtums Pommern, © Atlas Ortelius 1571
Grenzfluss Recknitz
Fast 700 Jahre bildete der Fluss Recknitz eine natürliche Grenze zwischen Pommern und Mecklenburg. Der Übergang über die Recknitz wird auch Mecklenburger Pass genannt.
Ausschnitt aus: Handkarte der Mecklenburgischen Großherzogtümer von E. Alban 1910
Recknitzbrücke mit Passhaus um 1910, © Stadtarchiv Ribnitz-Damgarten
Nach dem Westfälischen Frieden 1648 erhielt Schweden Vorpommern als ewiges Reichslehen, so dass dieses Gebiet bis zum Wiener Kongress 1815 unter schwedischen Einfluss geriet.
Ribnitz-Damgarten (1950–1990)
Obwohl sich beide Stadtvertretungen angesichts der Jahrhunderte vollkommen unterschiedlichen Geschichte gegen einen Zusammenschluss ausgesprochen hatten, wurde die mecklenburgische Stadt Ribnitz mit der pommerschen Stadt Damgarten am 1. Juli 1950 zwangsvereinigt.
Die damals Regierenden wollten jede Erinnerung an Pommern und die damit verbundene historische mecklenburgisch-pommersche Grenze auslöschen. Offiziell wurde die Notwendigkeit einer größeren Kreisstadt für den 1952 gebildeten Kreis Ribnitz-Damgarten im DDR-Bezirk Rostock vorgeschoben.
Ausstellung "Grenzland"
Die derzeitige Sonderausstellung "Grenzland" im Bernsteinmuseum von Ribnitz vermittelt anschaulich die Hintergründe und Besonderheiten der Stadtgeschichte von Ribnitz-Damgarten.
Grenzgebiete
Ahrenshoop
Das Ostseebad Ahrenshoop ist eine Gemeinde im Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie ist Teil des Amtes Darß/Fischland mit Sitz in Born a. Darß. Sie liegt auf der Halbinselkette Fischland-Darß-Zingst am Übergang vom Fischland zum Darß. Quer durch die Gemeinde Ahrenshoop verläuft die historische Grenze zwischen Mecklenburg und Vorpommern. (der Grenzweg verläuft nordöstlich des Frischemarktes Fischer)
Der Ort Ahrenshoop gehörte zu Vorpommern, während die heutigen Ortsteile Althagen und Niehagen zu Mecklenburg gehörten. (Quelle: Wikipedia)
Rekonstruierte Grenzanlage mit Schlagbaum und Wärterhäuschen westlich von Baranowice, Polen, Google Street View: © Dailak
Grenzpunkte
An einigen Stellen entlang der früheren Grenzen des Deutschen Reiches sind Zeugnisse in Form von Gebäuden, Grenzsteinen bzw. -anlagen oder Informationstafeln erhalten.
Grenzdokumentation nordwestlich von Zbąszyń, Polen: Google Street View © Artur Smoleń
Grenzstein der Freien Stadt Danzig auf der Frischen Nehrung: Google Street View © W. Kościuczyk
Empfangsgebäude des ehemaligen Grenzbahnhofs Deutsch-Avricourt, © Wikimedia: Arfupe
Den Gamle Grænsekro (die alte Grenzkneipe), Christiansfeld, Region Syddanmark, © Google Street View
Postkarte von Tirschtiegel aus den 1920er Jahren
Tirschtiegel/Trzciel
Infolge des Versailler Vertrags wurde die am östlichen Ortsrand von Tirschtiegel verlaufende Bahnlinie Bentschen–Birnbaum 1920 zur neu entstandenen polnischen Republik geschlagen. Die Grenze verlief im Raum Tirschtiegel ca. drei Meter westlich neben dem Bahnkörper. Damit blieb der Ort Tirschtiegel zum größeren Teil bei Deutschland, jedoch der Bahnhof, einige Vorwerke und ein Friedhof befanden sich in Polen. Die neue Grenze teilte auch ein Haus, dieses Motiv des „Hauses in zwei Ländern“ wurde in den 1920er Jahren auf Ansichtskarten gezeigt.
Deutsch-Polnische Grenze 1922, kolorierte Postkarte
Die gleiche Stelle in Trzciel, Polen 2023 © Google Street View
Gedenkstein mit Skulptur, © Google Street View
Erinnerungsorte
Mit hoher Präzision lassen sich auch Stätten mit besonderer symbolischer Bedeutung verorten, wie z.B.:
die Lutherstube
... in der Eisenacher Wartburg.
Die Lutherstube auf der Wartburg zwischen 1890 und 1905, Autor unbekannt
Die polnische Vermählung mit dem Meer
in der Stadt Putzig (polnisch Puck).
Polens Vermählung mit dem Meer von 1920 (Gemälde von Wojciech Kossak)
Am 10. Februar 1920 kam General Józef Haller mit Vertretern der Regierung, Offizieren, katholischen Geistliche und Künstlern in die Stadt Putzig, die nach dem Versailler Vertrag nun Polen zugesprochen worden war. Als ein Zeichen der Verbundenheit Polens mit dem Meer warf er einen Ring aus Platin in die Ostsee, ähnlich der venezianischen Zeremonie Festa della Sensa. Mit dem Zugang zum Meer sah sich das wiedererrichtete Polen als unabhängiger Staat. (Quelle: Wikipedia)
Der polnische Korridor, Wikimedia: © Ziegelbrenner
Des einen Freud, des anderen Leid
Diese hochemotionale Zeremonie verdeutlicht die Erfüllung der polnischen Sehnsucht nach dem Meer, als nach drei Teilungen (1772, 1793 und 1795) Polen in den Nachbarstaaten Russland, Preußen und Habsburg aufgeht und als unabhängige Nation aufhört zu existieren.
Nach 148 langen Jahren wurde diese Sehnsucht 1920 erfüllt.
Für das Deutsche Reich hingegen bedeutete der souveräne polnische Zugang zum Meer die Abtrennung Ostpreußens, welches fortan eine Insellage innehatte.
Ziel
des Projektes ist ein
interaktiver Atlas der Geschichte des deutschen Sprachraumes
mit einer angestrebten Genauigkeit von 10 Metern bezüglich Grenzen, Wegen und Orten, welche aus nachvollziehbaren Gründen bei rückschreitender Vergangenheit freilich abnimmt.
Die Möglichkeiten, innerhalb genauer historischer Grenzverläufe selbst komplexeste thematische Inhalte darzustellen oder mit externen Datenbanken zu verknüpfen, sind mannigfaltig.
Weitere Schritte
Nach Erfassung der nationalen Grenzen von 1871 bis 1990 ist es geplant, die ehemaligen Provinzgrenzen (z.B. Pommern, Brandenburg, Schlesien), die Grenzen der Königreiche (z.B. Hannover, Sachsen, Bayern) sowie die der zahlreichen Herzogtümer, Grafschaften, Fürstentümer und Reichsstädte bis zurück zum Wiener Kongress zu rekonstruieren.
1648: Westfälischer Frieden
Friedensschluss zwischen Spanien und den Niederlanden 1648 im Rathaus von Münster (Ausschnitt aus dem Gemälde „Friedensbeschwörung“ von Gerard Ter Borch)
Auch zur Zeit des Westfälischen Friedens 1648 gab es bereits relativ präzise Karten. Dementsprechend wäre dies im rücklaufenden Sinne der nächste angestrebte Zeitpunkt für Grenzrekonstruktionen.
Igeler Säule in Igel an der Mosel
Die Römer im deutschen Sprachraum
Von etwa 50 v. Chr. bis ins frühe 5. Jahrhundert n. Chr. gehörten die Gebiete westlich des Rheins und südlich der Donau zum Römischen Reich, von etwa 80 bis 260 n. Chr. auch ein Teil Hessens (Wetterau) sowie der größte Teil des heutigen Baden-Württemberg südlich des Limes. Die römischen Gebiete im heutigen Deutschland verteilten sich auf die Provinzen Germania superior, Germania inferior und Raetia.
Auf die Römer gehen Städte wie Trier, Köln, Bonn, Worms und Augsburg zurück, die zu den ältesten Städten Deutschlands zählen. Die Römer führten Neuerungen in Hausbau und Handwerk ein. Zur Sicherung der Grenzen siedelten die Römer befreundete germanische Stämme in den Provinzen an. Auch Siedler aus allen Teilen des Römischen Reiches, insbesondere aus Italien, wanderten ein und wurden westlich des Rheins und südlich der Donau sesshaft. (Quelle: Wikipedia)
Die rekonstruierte Porta Praetoria an der Südseite des Kastells Saalburg, Wikimedia: © Carole Raddato
Der Limes
Der Limes stellt in Deutschland ein Bodendenkmal von internationaler Bedeutung dar. Einige bauliche Anlagen am Obergermanisch-Raetischen Limes wurden rekonstruiert. Beispiele sind die Saalburg bei Bad Homburg vor der Höhe, das Kastell Aalen, die jeweils bedeutende römische Museen in ihren Mauern bergen, sowie zahlreiche Wachtürme.
Von der eigentlichen Grenzbefestigung haben sich am obergermanischen Limes Wall und Graben am besten erhalten. Das gilt vor allem für die Waldgebiete des Westerwaldes und des Taunus. Beim rätischen Limes markiert dagegen ein breiter Streifen aus Gesteinsschutt, in der Feldgemarkung oft als gradlinig verlaufendes Feldgehölz auszumachen, den Verlauf der Befestigung. Kleine Hügel aus Erde und Schutt finden sich entlang der beiden Limites an den Stellen, an denen ein Wachturm gestanden hat. (Quelle: Wikipedia)
Der Limes-Verlauf wurde relativ genau rekonstruiert und ist ebenfalls mit hoher Genauigkeit hier abrufbar.
Impressum
Eine Storymap von
Gemeinnütziger Verein für kartographische Dokumentationen
Hundestraße 4 | 23552 Lübeck | 0451 707 83 82 | www.kartdoku.org
Quellenangaben
zur Digitalisierung
Die Grenzen des Deutschen Reiches in der Zeit von 1871 - 1937 wurden auf folgenden Grundlagen in verschiedenen Ausgaben bzw. Aufnahmen in QGis digitalisiert:
- Generalstabskarte des Deutschen Reiches im Maßstab 1:100.000
- Meßtischblatt 1:25.000 , Reichsamt für Landesaufnahme
Diese wurden georeferenziert und mit Überblendfunktion bereitgestellt von: Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
Die verschiedenen Ausgaben bzw. Aufnahmen und Jahrgänge der Generalstabskarte und des Meßtischblattes sind eindeutig rekonstruierbar und werden zu einem späteren Zeitpunkt in geeigneter Weise zugänglich gemacht.
Die Grenzen im Nachkriegsdeutschland in der Zeit von 1945 - 1990 wurden auf folgenden Grundlagen digitalisiert:
- Verwaltungskarte der DDR mit Bezirks- und Kreisgrenzen 1:600.000 (1968)
- Germany: Allied Map of the Occupation Areas, Atlanta Map Service, Frankfurt am Main 1945
- OSM Boundaries
Arbeitsweise
In der Regel sind die Grenzverläufe auch nach maximal 150 Jahren auf aktuellen Luftbildern gut zu rekonstruieren, da diese zumeist entlang von Wasserläufen und noch heute gültigen Flurgrenzen verlaufen. Schwierigkeiten treten auf u.a. bei der Begradigung von Wasserläufen und genereller Überformung der Landschaft, wie z.B. Tagebau und Bergbaufolgelandschaften sowie Flurbereinigungen. Die Genauigkeit der digitalisierten Grenzen kann zu 95% mit etwa 10 Metern gewährleistet werden.