Die Manns
Eine deutsche Literaten-Familie
Vorwort
Die vorliegende Storymap ist ein Modell am Beispiel der Lebensstationen von Thomas Mann zur Veranschaulichung, wie eine Darstellung der Lebenswege der verschiedenen Mitglieder der Familie Mann aussehen könnte.
Alle Orte und Wege, die von diesen aufgesucht, bzw. beschritten wurden, können auf 10 Meter genau dargestellt werden, sofern Informationen darüber vorliegen.
Darüber hinaus ist es möglich, alle literarischen Orte abzubilden und mit weiteren Informationen zu verknüpfen, wie z.B. das Schwartauer Pfefferkuchenhaus, das Berghotel Schatzalp oder das Schloss Benrath. Neue Erkenntnisse, Ergänzungen und Erweiterungen können jederzeit und schnell integriert werden.
Literarischer Ort: das Berghotel Schatzalp als Inspirationsort für "Der Zauberberg"
Ziel des Projektes "Lebenswege der Familie Mann" ist ein präzises und zuverlässiges Nachschlagewerk zu allen Lebensbereichen (Wohnorte, Reisen, Schaffensorte etc.), die auf einer Karte dargestellt werden können.
Julia Mann im Jahre 1875, Autor unbekannt, aus ihrem Buch "Aus Dodos Kindheit", 1903
Das Mutterland
Einst hatte Thomas Mann Brasilien als sein "Mutterland" beschrieben.
Julia da Silva-Bruhns , verheiratete Mann, genannt Dodo (* 14. August 1851 in Paraty, Brasilien; † 11. März 1923 in Weßling) war eine Tochter des 1837 nach Brasilien ausgewanderten Lübecker Farmers Johann Ludwig Hermann Bruhns (1821–1893) und der Brasilianerin Maria Luísa da Silva († 1856), Tochter eines Großgrundbesitzers portugiesischer Herkunft und die Mutter der beiden Schriftsteller Thomas Mann und Heinrich Mann.
Ihr Vater besaß einige Zuckerrohrplantagen zwischen Santos und Rio de Janeiro, die er, wie damals in Brasilien bis 1888 erlaubt, mit Sklaven bewirtschaftete[1]. Sie wurde in der Nähe der Villa Boa Vista in Paraty geboren und verbrachte hier die ersten Jahre ihres Lebens in wohlhabenden Verhältnissen.
Ihre Mutter starb, als Julia da Silva-Bruhns fünf Jahre alt war, bei der Geburt ihres sechsten Kindes. Die Kinder kamen zunächst zu den Eltern der Mutter vor Ort. Ein Jahr nach dem Tod der Mutter entschied ihr Vater, seine Kinder nach Deutschland zu schicken. Julia sprach zu diesem Zeitpunkt noch kein Wort Deutsch. Bis sie vierzehn Jahre alt war, lebte sie in einem Internat in Lübeck unter der Leitung von Therese Bousset. Ihr Vater kümmerte sich währenddessen in Brasilien um die Plantagen und versorgte sie finanziell.
1869 heiratete sie den elf Jahre älteren späteren Senator Thomas Johann Heinrich Mann (1840–1891). Zusammen hatten sie fünf Kinder Heinrich (1871–1950), Thomas (1875–1955), Julia „Lula“ (1877–1927), Carla (1881–1910) und Viktor (1890–1949). (Quelle: Wikipedia)
Im Hintergrund: Villa Boa Vista, Wikimedia: © Otávio Nogueira
Die Villa Boa Vista
Villa Boa Vista, Google Maps: © Matheus Albrecht Silveira
Die Villa Boa Vista (auch Casa Mann, Fazenda Boa Vista) ist eine unter Denkmalschutz stehende Villa in Paraty an der Küste des Südatlantiks in Brasilien. Es ist das Geburtshaus von Julia da Silva-Bruhns.
Das Gebäude hatte wechselnde Besitzer. Der Psychologe und Schriftsteller Frido Mann, ein Urenkel von Julia da Silva-Bruhns, bemüht sich seit 1995, das verfallende Gebäude zu retten und darin ein Kulturzentrum einzurichten. Er ging 1996 als erstes Mitglied der Familie Mann den Spuren seiner Vorfahren in Brasilien nach und gründete den Verein „Casa Mann“. Die gegenwärtigen Besitzverhältnisse sind ungeklärt. Angeblich gehört die Villa einer Firma aus São Paulo. Deren Inhaber, berichtete 2011 der deutsche Generalkonsul in Rio de Janeiro, Hermann Erath, stellt für einen Verkauf hohe finanzielle Forderungen. 2002 drohte der Abriss der Villa, weil auf dem Gelände eine Ferienanlage errichtet werden sollte. Der Denkmalschutz verhinderte dieses. (Quelle: Wikipedia)
Die Vaterstadt
Der Vater: Senator Thomas Johann Heinrich Mann, Quelle: TMA Zürich
Thomas Mann wurde am 6. Juni 1875 als zweiter Sohn des Kaufmanns Thomas Johann Heinrich Mann und dessen Frau Julia in der Hansestadt Lübeck (Breite Straße 38) geboren.
Thomas Mann im Alter von zwei Jahren, © TMA, Conrad Kindermann 1877
Breite Straße Blickrichtung St. Jakobi um 1880; das fünfte Haus auf der linken Straßenseite ist Heinrich Manns Geburtshaus, das zwölfte ist das von Thomas Mann. Fotograf unbekannt
Breite Straße um 1880, Blickrichtung Kanzleigebäude, Fotograf unbekannt
Thomas und Heinrich Manns Schulweg zum Katharineum
Der Schulweg vom Haus in der Beckergrube 52 zum Katharineum in der Königstraße kann leicht nachvollzogen werden.
Beckergrube 52, Wohnhaus der Familie Mann seit dem Jahr 1882, kriegszerstört 1942
Lage des Hauses Beckergrube 52 etwa dort, wo sich die Durchfahrt befindet
Das Katharineum im Jahre 1892, Foto: Johannes-Nöhring © Fotoarchiv der Hansestadt Lübeck
Nach neunjähriger Schulzeit legte Thomas Mann 1894 in Lübeck das eigentlich nur auf sechs Jahre angelegte „Einjährige“ (Mittlere Reife) mit durchgehend mäßigen bis sehr mäßigen Leistungen ab. Seine Schulzeit empfand er als stumpfsinnig. Schon früh begann er zu schreiben und beteiligte sich 1893 mit Prosaskizzen und Aufsätzen an der von ihm mit herausgegebenen Schülerzeitschrift Der Frühlingssturm. Einen Brief an Frieda L. Hartenstein von 1889 unterschrieb der Vierzehnjährige mit „Thomas Mann. Lyrisch-dramatischer Dichter“. 1894 verließ er als Obersekundaner vorzeitig das Katharineum zu Lübeck und ging nach München, wohin die Mutter schon ein Jahr zuvor mit den Geschwistern gezogen war. (Quelle: Wikipedia)
Der Holstentorbahnhof um 1890, von welchem aus Thomas Mann 1894 nach München reiste, Fotograf unbekannt
München
1894 - 1933
Fast die Hälfte seines Lebens verbrachte Thomas Mann in der bayerischen Landeshauptsstadt. Von hier aus unternahm er zahlreiche Reisen, u.a. nach Palestrina, Venedig, Davos und Nidden. Hier entstand ein Großteil seiner literarischen Werke.
Centralbahnhof München um 1910, kolorierte Postkarte
Palestrina
1896 folgte er seinem Bruder Heinrich nach Italien. Sie mieteten sich im Juli 1897 in dem östlich von Rom liegenden Ort Palestrina ein. Gemeinsam verfassten sie dort das Bilderbuch für artige Kinder. Es enthielt parodistische „Kunstgedichte“ und war mit eigenhändigen Zeichnungen illustriert. (Quelle: Wikipedia)
1896-1897: Thomas Mann in Palestrina östlich von Rom
Via Thomas Mann in Palestrina, © Google Street View
Erinnerungstafeln in der Via Thomas Mann, © Google Street View
Venedig
Zahlreiche Begebenheiten der Novelle „Der Tod in Venedig“ gehen auf eine Venedigreise der Familie Mann im Jahre 1911 zurück, von der Katia Mann in „Meine ungeschriebenen Memoiren“ berichtet. (Quelle: Wikipedia)
Venedig
Grand Hotel des Bains
Das Grand Hotel des Bains war ein Hotel am Lido di Venezia. Es wurde im Jahr 1900 erbaut, um wohlhabende Touristen anzuziehen. Es wurde erbaut von den Brüdern Raffaello und Francesco Marsich und am 15. Juli 1900 eingeweiht. Berühmt wurde es unter anderem durch Thomas Manns Aufenthalt im Jahr 1911, der ihn zur Novelle Der Tod in Venedig inspirierte. Luchino Viscontis gleichnamiger Film wurde 1971 dort gedreht. (Quelle: Wikipedia)
Das Grand Hotel des Bains in Venedig
Thomas-Mann-Villa
Die Thomas-Mann-Villa ist ein literarischer Erinnerungsort. Von 1914 bis 1933 war sie in der Münchner Poschingerstraße 1 (heute Thomas-Mann-Allee 10) im Stadtteil Bogenhausen die Wohn- und Arbeitsstätte des deutschen Schriftstellers und Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann und seiner Familie. Thomas Mann vollendete und begann hier wichtige Teile seines literarischen Œuvres, wobei sowohl das Gebäude sowie seine nähere Umgebung wiederholt einen bemerkenswerten Einfluss auf die literarische Produktion der gesamten Familie hatte. Nachdem die Familie Mann ins Exil gegangen war, wurde die Villa im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und kurze Zeit später abgerissen. Heute befindet sich hier eine moderne Nachbildung des Gebäudes. (Quelle: Wikipedia)
Haus der Familie Mann in der Poschingerstraße 1 in den 1920er Jahren, © Thomas-Mann-Archiv Zürich, Bild 4346
Ansichten und Grundrisse der Thomas-Mann-Villa, Wikimedia: © Maxn2
Thomas Mann an seinem Musikapparat in der Diele, 1932, © Bundesarchiv Bild 183-R15883
Rekonstruktion der Villa mit historischer Fassade, Wikimedia: © Senator 86
Deutschland vor dem 1. Weltkrieg
Thomas Mann hat zu Lebzeiten nicht nur einen gravierenden technischen Wandel der Verkehrsmittel erfahren - von der Kutsche über das Automobil bis zum Flugzeug, sondern kriegsbedingt auch schwerwiegende territoriale Veränderungen.
Vehicles, the How and Why Library, 1909
Deutschland nach dem 1. Weltkrieg
Die territorialen Bestimmungen des Versailler Vertrages führten zu Gebietsverlusten des Deutschen Reiches von etwa der Größe Bayerns.
Der sogenannte Polnische Korridor musste an den restaurierten Polnischen Staat abgetreten werden, wodurch sich eine Insellage Ostpreußens ergab. Aus dem Danziger Gebiet wurde das Territorium der Freien Stadt Danzig gebildet und das Memelland 1920 der Verwaltung des Völkerbundes unterstellt, welches 1923 von Litauen annektiert wurde.
Die Durchquerung des Polnischen Korridors auf dem Schienenweg war für Ostpreußen-Reisende mitunter beschwerlich, da man neben umständlichen Grenzkontrollen die Waggons auf polnischem Staatsgebiet verplombte und teilweise die Fenster verhängt werden mussten.
Die kürzeste Transitstrecke durch Polen (nur knapp über 40 km) verlief von Berlin über Stettin und Lauenburg in Pommern (heute Lębork) bis nach Danzig und von dort aus weiter über Marienburg (heute Malbork) wieder auf deutsches Gebiet und war bei Reisenden dementsprechend beliebt.
In unserem Fall spielen die o.g. territorialen Voraussetzungen eine Rolle für die Urlaubsreisen der Familie Mann in den Jahren 1930 - 1932, da das Niddener Sommerhaus in Litauen lag und der Polnische Korridor durchquert werden musste.
Obgleich es auch Flug- und Schiffsverbindungen nach Ostpreußen gab, nutzte die Familie Mann auf dem Weg ins Niddener Sommerhaus die Bahnverbindung.
Aufenthalt in Nidden 1930. Am Königsberger Bahnhof (Fotopostkarte), © TMA 0219, Fotograf: Alfred Kühlewindt, Königsberg
Nidden
Der Weg zum Sommerhaus in Nidden
Die etwa 1400 km lange Strecke vom Centralbahnhof München bis nach Nidden verläuft über Halle/Saale und Berlin.
Wir beginnen unsere Wegbeschreibung in Berlin, da aufgrund der Tatsache, dass ebendort im Jahre 1930 noch die großen Kopfbahnhöfe in Betrieb waren, ein Zugwechsel unbedingt erforderlich war.
Da die Reise mit dem Zug zwei Tage in Anspruch nahm, ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein Hotelaufenthalt in Berlin eingelegt wurde, um sich auf halbem Wege zu erholen.
Berlin
Bahnsteig des Anhalter Bahnhofs mit Lokomotive um 1930
Die Züge aus Halle/Saale endeten im imposanten Anhalter Bahnhof.
Verkehr am Anhalter Bahnhof um 1930, Postkarte
Mit einer Kraftdroschke fuhr man weiter entlang der Friedrichstraße zum Stettiner Bahnhof.
Stettiner Bahnhof um 1932, Fotograf unbekannt
Bahnsteighalle des Stettiner Bahnhofs um 1932, Fotograf unbekannt
Hans Baluschek, Lehrter Bahnhof 1929, stimmungsvolles Symbolgemälde
Polnischer Korridor und Freie Stadt Danzig
Nach dem Ersten Weltkrieg war der Reise-, Post- und Güterverkehr von und nach Ostpreußen durch Polen unsicher und beschwerlich. Bei Sperrungen des Eisenbahnverkehrs durch den Korridor blieben nur die Seereise nach Pillau oder Flüge nach Königsberg. Dort war 1921 der Flughafen Devau als erster Zivilflughafen Deutschlands fertig geworden. (Quelle: Wikipedia)
Insel Ostpreußen mit Schienen-, Schiffs- und Flugverbindungen, Stielers Handatlas 1928
Von Königsberg nach Cranz
Zugeinfahrt Hauptbahnhof Königsberg
Bahnstrecke Königsberg - Seebad Cranz
Der Abschnitt von Königsberg nach Cranz wurde 1885 von der Königsberg-Cranzer Eisenbahngesellschaft erbaut. Von Cranz führte ab 8. Juli 1895 eine zwei Kilometer lange Stichbahn nach Cranzbeek am Kurischen Haff, wo Schiffsanschluss an die Cranz–Memel–Linie bestand. (Quelle: Wikipedia)
Familie Mann bei der Ankunft am Königsberger Hauptbahnhof, © Thomas-Mann-Archiv 0220
Dampferfahrt von Cranz nach Nidden
Prospekt der Cranz-Memel-Linie
Fritz Neubacher betrieb seit 1914 in der Königsberger Koggenstraße 42 einen Großhandel mit Hanferzeugnissen. Er rief die Schifffahrtslinie Cranzbeek–Memel mit den Dampfern Cranz, Memel und Rossitten ins Leben. Sie verband die Dörfer und Seebäder auf der Kurischen Nehrung und fuhr täglich von Cranz über Rossitten, Nidden, Preil und Schwarzort nach Memel und zurück. Mit der Cranzer Bahn fuhren die Königsberger und viele andere Touristen zu Ausflügen in den Norden Ostpreußens. 1895 wurde die 2 km lange Stichbahn an die Pier in Cranzbeek fertiggestellt. (Quelle: Wikipedia)
Dampfschiff Cranz um 1930, Fotograf unbekannt
Urlaub in Nidden
Im Sommer 1929 hatte Thomas Mann nach einem Aufenthalt in Königsberg Ferientage mit der Familie in Rauschen verbracht, die mit einem Kurzbesuch in Nidden verbunden waren. Er war so begeistert von der Großartigkeit der Landschaft, dass er dem Architekten Herbert Reissmann aus Memel den Auftrag zum Bau und zur Möblierung eines Sommerhauses gab. Das am Hang einer großen Düne auf dem „Schwiegermutterberg“ liegende Grundstück wurde vom litauischen Forstamt gepachtet. Es bot den von Mann sogenannten „Italienblick“, den Blick auf das Kurische Haff und den Niddener Ortsteil Purwin.
Ankunft in Nidden, © Thomas-Mann-Archiv 0185
Thomas Mann verbrachte dort vor der Emigration 1933 mit seiner Familie die Sommerferien von 1930 bis 1932 und hielt sich an seinen üblichen Tagesrhythmus. So schrieb er an seiner Romantetralogie Joseph und seine Brüder und verfasste Artikel und Briefe. Die Einheimischen bezeichneten das Anwesen als „Onkel Toms Hütte“, in Anspielung auf den gleichnamigen Roman von Harriet Beecher Stowe. Durch den angesehenen Namen des Literaten wurde das Sommerhaus eine ausgezeichnete Werbung für das wachsende Seebad Nidden. Der Ort, der bereits durch seine Künstlerkolonie bekannt war, wurde damals, laut einer österreichischen Zeitung, zum „Literaturbegriff“. (Quelle: Wikipedia)
Familie Mann vor dem Sommerhaus im Juli 1930, © Thomas-Mann-Archiv 0193
Nidden mit dem Italienblick, Gemälde von Franz Schreyer
Der Italienblick heute, Wikimedia: © Fridolin Freudenfett
Das heutige Thomas-Mann-Kulturzentrum, Wikimedia: © Nikater
Exil
Sanary-sur-Mer, © Google Maps 3d
In den Jahren nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland hielten sich in der kleinen Stadt am Mittelmeer viele deutsche Emigranten auf. Die Stadt gilt seither als wichtiges Exilzentrum. Zu den berühmtesten Exilanten zählten (in alphabetischer Reihenfolge) Bertolt Brecht, Ferdinand Bruckner, Franz Theodor Csokor, Albert Drach, Lion und Marta Feuchtwanger, Bruno Frank, Walter Hasenclever, Franz und Helen Hessel, Alfred Kantorowicz, Hermann Kesten, Egon Erwin Kisch, Arthur Koestler, Annette Kolb, die Brüder Golo und Klaus Mann, ihre Eltern Katja und Thomas Mann und dessen Bruder Heinrich Mann, Ludwig Marcuse, Cilette Ofaire, Erwin Piscator, Anton Räderscheidt, Joseph Roth, Ilse Salberg, Franz Werfel und Alma Mahler-Werfel, Friedrich Wolf, Arnold Zweig und Stefan Zweig. (Quelle: Wikipedia)
Nur etwa drei Monate wohnten Thomas und Katia Mann 1933 in der fast bescheidenen Villa "La Tranquille", die 1944 abgerissen wurde, um Platz für deutsche Flak-Geschütze zu schaffen. Nach dem Krieg baute man die Villa in ähnlicher Form wieder auf.
Die rekonstruierte Villa "La Tranquille", © Google Street View
Informationstafel vor der Villa "La Tranquille", © Google Street View, Icare Phenix
Katia Mann, Thomas Mann und Gottfried Bermann-Fischer auf der Terrasse vor dem Haus an einem Tisch sitzend, ca. 1935, TMA 0315
Küsnacht
Nach ersten Abwägungen, sich entweder in Paris, Basel oder Zürich niederzusetzen, zogen die Manns letztlich in die Schweiz und wohnten etwa fünf Jahre in Küsnacht in der Nähe von Zürich. Die Bewegungsfreiheit des Schriftstellers verringerte sich, da sein deutscher Pass ablief und die Nationalsozialisten dessen Verlängerung von Manns persönlichem Erscheinen in München abhängig machten. (Quelle: Wikipedia)
USA
Amerikareise von Thomas und Katia Mann auf der "Île de France", 1937, © TMA 0436
USA
Einfahrt in den Hafen von New York, Fotograf unbekannt
Nach verschiedenen Reisen in die USA, übersiedelte Thomas Mann mit seiner Familie 1938 endgültig dorthin.
Princeton
Wohnhaus der Familie Mann in Princeton, © Google Street View
Erste Station des Exils in den USA war Princeton. Thomas Mann erhielt, vermittelt durch seine Gönnerin Agnes E. Meyer, eine Gastprofessur an der dortigen Universität. Vier Vorlesungen standen auf seinem Lehrplan mit den selbstgewählten Themen Goethes Faust, Wagner, Freud und eine Einführung in den Zauberberg.
Das erste Jahr in den Vereinigten Staaten verlief erfolgreich. Er war finanziell abgesichert, seine Werke verkauften sich gut, er unternahm einige Lesereisen, traf wichtige Persönlichkeiten und erhielt fünf Ehrendoktorwürden (Columbia, Hobart, Princeton, Rutgers und Yale). Am 6. Juni 1939 startete er zu seiner vorerst letzten Reise nach Europa. Gleichzeitig arbeitete er an seinem Roman über Goethe, den er im Oktober 1939 beendete und der im gleichen Jahr unter dem Titel Lotte in Weimar erschien. (Quelle: Wikipedia)
Pacific Palisades
Thomas und Elisabeth Mann, © TMA 2549
1941 übersiedelten die Manns nach Pacific Palisades, einem Stadtteil von Los Angeles in Kalifornien. Dort lebten sie ab dem 8. April zunächst in einem gemieteten Haus am Amalfi Drive, bevor sie am 5. Februar 1942 ein eigens errichtetes Wohnhaus am San Remo Drive beziehen konnten. Die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten erlangte Thomas Mann erst 1944. In Kalifornien fand Mann auch Zugang zu den nordamerikanischen Unitariern, deren Mitglied er wurde. Thomas Mann – zuvor Lutheraner – schätzte die Unitarier vor allem als Glaubensgemeinschaft ohne dogmatische Fundamente, wobei er dem christlich ausgerichteten Unitarismus näher stand als neueren humanistischen Ansätzen. (Quelle: Wikipedia)
Thomas-Mann-House in Pacific Palisades, Wikimedia: © Mirkomlux
Thomas-Mann-House in Pacific Palisades, © Google Maps 3d
Rückkehr nach Europa
Kilchberg am Zürichsee
Von der Politik der USA war Thomas Mann nach dem Tod des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt im Jahr 1945 und besonders seit Beginn des Kalten Krieges 1947 zunehmend enttäuscht. Seinen Entschluss, nach Europa zurückzukehren, hielt er erstmals im Dezember 1949 im Tagebuch schriftlich fest. Er verfestigte sich, als er im Juni 1951 vor dem Repräsentantenhaus im Kongress als “one of the world’s foremost apologists for Stalin and company” (deutsch: „einer der weltweit bedeutendsten Verteidiger von Stalin und Genossen“) bezeichnet wurde. Er musste (wie schon zuvor die deutschen Emigranten Hanns Eisler und Bertolt Brecht) Rechenschaft über seine Aktivitäten vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe ablegen. Genau ein Jahr später, im Juni 1952, kehrten die Manns mit Tochter Erika in die Schweiz zurück. In seinem Tagebuch sprach er von einer „wiederholten Emigration“. Dort zogen sie zunächst in ein gemietetes Haus in Erlenbach bei Zürich und lebten dann ab 1954 in der angekauften Villa in Kilchberg, Alte Landstraße 39, über dem Zürichsee. (Quelle: Wikipedia)
Thomas und Katia Mann mit Hund Boris im Garten über dem Zürichsee, © TMA 3640
Am 12. August 1955 starb Thomas Mann achtzigjährig im Zürcher Kantonsspital an einer Ruptur der unteren Bauchschlagader (Aorta abdominalis) infolge von Arteriosklerose. Zur Beerdigung auf dem Kilchberger Friedhof am 16. August erschienen zahlreiche Trauernde aus dem In- und Ausland. Als einer der langjährigen Wegbegleiter des Verstorbenen schrieb Carl Zuckmayer in seinen Worten des Abschieds: „An diesem Sarg verstummt die Meinung des Tages. Ein Leben hat sich erfüllt, das nur einem einzigen Inhalt gewidmet war: dem Werk deutscher Sprache, dem Fortbestand europäischen Geistes.“ (Quelle: Wikipedia)
Beerdigung von Thomas Mann am 16. August 1955, © TMA 4458
Grab der Familie Mann auf dem Friedhof in Kilchberg, Wikimedia: © Berger
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